26.03.2026: Stadtführung Olten
26.03.2026: Stadtführung Olten
Veröffentlicht am: 26 März 2026 | Abgelegt unter: Besichtigungen
Ein erlebnisreicher Rundgang durch Olten
Schon auf dem Weg zur Bushaltestelle Kirche war klar: Das Wetter meint es heute nicht besonders gut mit uns – Regen! Aber wie die Skandinavier sagen – mit der richtigen Kleidung ist jedes Wetter halb so schlimm.
Treffpunkt war beim Wildsäuli an der rechten Uferseite neben der hölzernen Aarebrücke. Es heisst, dass es Zeiten gegeben haben soll, wo das «Füdli» des Säulis gegen Solothurn gerichtet war. Natürlich dürfen kleine Sticheleien Richtung Solothurn nicht fehlen.
Rund 30 gut gelaunte NeuendörferInnen wurden von Beatrice Stampfli und Emile Stricker, Olten Tourismus, begrüsst. In zwei Gruppen aufgeteilt konnte es los gehen.
Die Führung begann auf der Holzbrücke, deren Standort schon zu Römerzeit von strategischer Bedeutung war. 1803 wurde die von Blasius Baltenschwiler erstellte Notbrücke (1797) durch die heutige Brücke ersetzt.
Während eines unerwarteten Schneeschauers erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die aussergewöhnliche Bauweise des Brückenbauers Baltenschwiler. Seine Brückenkonstruktion erreichte schweizweit grosse Beachtung und gereichte ihm zu weiteren Aufträgen.
In der Regen und Wind geschützten Stadtkirche erfuhren wir von der Stadt-Hostess Beatrice, Spannendes über Geschichte, Bauten und Oltner Persönlichkeiten. Was es zum Beispiel mit dem Hexenturm und dem König von Olten «Toulouse» (Denkmal auf dem Kaplaneiplatz, westlich der Holzbrücke), auf sich hat.
Die Geschichte und Architektur der Stadtkirche (Christkatholische Kirchgemeinde) ist faszinierend. Die Kirche wurde zwischen 1806 und 1813 erbaut und 2016 bis 2018 renoviert. Sie beherbergt beeindruckende Bilder, kunstvolle Stuckaturen, prächtige Deckengemälde und vieles mehr. Aufmerksamkeit erlangten die Schilderungen über den damals umstrittenen einheimischen Maler, Martin Disteli (1802-1844). Dieser erhielt den Auftrag ein Bild des Stadtpatrons St. Martin zu malen. Ein Entscheid mit Konfliktpotential. Denn Disteli gehörte der liberalen Bewegung an und er prangerte Menschen an, die er für Heuchler hielt, nicht zuletzt auch Geistliche. Pfaffenfresser nannte man ihn. Noch bevor das Bild in Angriff genommen werden konnte, verstarb Disteli und das einzigartige Altarbild wurde von seinem Basler Kollegen nach Distelis Zeichnungen fertiggestellt.
Als sich das Wetter endlich beruhigte, konnten wir das in der Kirche Gehörte zum Teil noch draussen erkunden. Das Denkmal vom König von Olten «Kater Toulouse», den Stadtturm (auch Ildefonsturm genannt), den Spittel, die Spittelscheune und den Hexenturm. Der Spittel wurde 1482 vom Ehepaar Scherrer der Stadt als städtisches Armenhaus vermacht. Der Hexenturm diente als Gefängnis. Von dort aus soll die Hexe Metzina Wächter 1383 ein schweres Unwetter heraufbeschworen haben, so dass die Solothurner und Berner Truppen ihre damalige gefährliche Belagerung der Stadt abbrechen mussten.
Den Abschluss bildete der Besuch des 11-stöckigen Stadthauses (1966) mit seiner eindrucksvollen Aussichtsterrasse. Bei Sonnenschein (ja, wirklich!) entstanden schliesslich auch Erinnerungsfotos dieses gelungenen Ausflugs.
Olten ist seit dem Bau der Eisenbahn der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt im schweizerischen und europäischen Schienenverkehr und war auch Anlass für eine unerhörte wirtschaftliche und bevölkerungsmässige Entwicklung.
Unser Dank gilt den Chropftuube Senioren Neuendorf, die diesen Anlass für uns organisiert haben. Aber auch an unsere beiden Guides, Beatrice und Emile, die uns vielwissend, klug und humorvoll durch den Rundgang begleitet haben.
Chropftuube Senioren Neuendorf
Bericht: Mägi Vögeli
Bilder: Ernst von Arx und Rita von Arx
Nachtrag
Der Schweizer Schriftstellerweg feiert 2026 sein 10-jähriges Jubiläum. Seit einem Jahrzehnt lädt er dazu ein, Literatur in Olten unter freiem Himmel zu entdecken und Geschichten direkt an den Orten zu hören. Vom 28. April bis 3. Juni 2026 finden diverse öffentliche Führungen und literarische Spaziergänge statt.
